gesamt

26 Lagebericht für das Geschäftsjahr 2018 Die Entschleunigung der Weltkonjunktur dürfte nach Meinung der Institute, gepaart mit der weni- ger expansiven Geldpolitik, dazu führen, dass die Ausrüstungsinvestitionen 2019 weniger stark stei- gen. Die Vorzeichen für den privaten Verbrauch sind dagegen weiterhin sehr günstig. Der Arbeitsmarkt expandiert und die Löhne steigen kräftig. Zudem werden die Sozialabgaben der Arbeitnehmer durch die Wiedereinführung der paritätischen Finanzie- rung der Krankenversicherung entlastet. Im Mittel der Prognosen dürfte der Konsum deshalb 2019 um 1,5 Prozent und damit etwas stärker als 2018 zu- legen. Eine gewisse Erholung wird auch der Export- wirtschaft bescheinigt. Mit einem Plus von 3,2 Pro- zent könnte sie wieder stärker wachsen als 2018. Bei weiterhin stärker steigenden Importen wird allerdings auch 2019 ein negativer Außenbeitrag erwartet. Weiterhin gute Stimmung imWohnungsbau – Kapazitätsengpässe führen zu deutlichen Preissteigerungen Die Bauinvestitionen insgesamt stiegen im Jahr 2018 um 3,0 Prozent und übertrafen damit leicht die Wachstumsrate desVorjahres (2,9 Prozent). DerWoh- nungsbau entwickelte sich wie in den Vorjahren überdurchschnittlich und stieg um 3,7 Prozent, wäh- rend die Nichtwohnbauten lediglich um 1,9 Prozent zulegten. Der öffentliche Hoch- und Tiefbau entwickelte sich dabei deutlich dynamischer als im Vorjahr (5,2 Pro- zent).Wobei hier die Musik vor allem imöffentlichen Tiefbau spielte. Viele Gemeinden verfügen mittler- weile über die notwendigen „freien Spitzen“, um neue Investitionsprojekte anzustrengen, zumin- dest aber den Eigenanteil für die nach wie vor ver- fügbaren Mittel aus dem Kommunalinvestitions- förderungsfonds abzurufen. 27 Lagebericht für das Geschäftsjahr 2018 Die preisbereinigten Bruttoinvestitionen insgesamt, zu denen neben den Bruttoanlageinvestitionen noch die Vorratsveränderungen gehören, legten 2018 im Vorjahresvergleich um 4,8 Prozent zu. Die Bruttoan- lageinvestitionen, zu denen zum einen Ausrüstun- gen für den Produktionsprozess und zum anderen die Bauinvestitionen zählen, waren preisbereinigt um 3,0 Prozent höher als 2017. In Ausrüstungen – das sind vor allem Maschinen und Geräte sowie Fahrzeuge – wurde 4,5 Prozent mehr investiert als imVorjahr. Die Bauinvestitionen stiegen um 3,0 Prozent; vor allem in den öffentlichen Tiefbau wurde deutlich mehr investiert als ein Jahr zuvor. Die sonstigen Anlagen, zu denen unter anderem die Ausgaben für Forschung und Entwicklung gehören, lagen um 0,4 Prozent über dem Vorjahresniveau. Zu einem merklichen Vorratsaufbau führte unter anderem der bereits beschriebene Sondereffekt in der Auto- mobilindustrie. Die deutschen Ausfuhren legten im Jahresdurch- schnitt 2018 weiter zu, aber nicht mehr so stark wie in den Vorjahren: Die preisbereinigten Exporte von Waren und Dienstleistungen waren um 2,4 Prozent höher als 2017. Die Importe nahmen im gleichen Zeitraum mit +3,4 Prozent stärker zu. Der nominale Außenbeitrag hat im Vergleich zu 2017 um etwa 14 Milliarden Euro abgenommen. Da die Importe schneller stiegen als die Exporte, war der Außen- beitrag zum Wirtschaftswachstum negativ und bremste die wirtschaftliche Aufwärtsentwicklung um -0,2 Prozentpunkte. Der Konsum trug mit einemWachstumsbeitrag von 0,7 Prozentpunkten knapp die Hälfte zumWachstum des BIP bei. Der Beitrag der Bruttoanlageinvestitio- nen lag leicht darunter bei 0,6 Prozentpunkten. Der Rest des Wertschöpfungszuwachses entfällt auf einen merklichen Vorratsaufbau, der unter an- derem auf die beschriebenen Sondereffekte in der Automobilindustrie zurückzuführen ist. Isoliert betrachtet hätte die Alterung der Bevöl- kerung das Arbeitskräfteangebot im Jahr 2018 um 310.000 Personen schrumpfen lassen. 4 Für das Jahr 2019 ist nach Berechnungen des Institutes für Ar- beitsmarkt und Berufsforschung (IAB) in Nürnberg ein Demografieeffekt von -330.000 Erwerbsperso- nen zu erwarten. Damit das Erwerbspersonenpotenzial auch in Zu- kunft nicht schrumpft, müsste die Nettozuwande- rung nach Modellrechnungen des IAB 5 im Zeitraum 2015 bis 2025 einen Zugewinn von rund 450.000 er- werbsfähigen Personen pro Jahr, zwischen 2026 bis 2035 etwa 600.000 zugewanderte Erwerbsfähige pro Jahr und zwischen 2036 bis 2050 rund 550.000 zu- gewanderte Erwerbsfähige pro Jahr netto betragen. Das kontinuierliche Wirtschaftswachstum und der anhaltend günstige Trend der Arbeitsmarktentwick- lung haben Deutschland in den Jahren seit 2010 zu einem Hauptwanderungsziel der EU-Binnenmigra- tion werden lassen. Die tatsächliche Nettozuwan- derung im Jahr 2017 (Ausländer und Deutsche) wird vom Statistischen Bundesamt auf 416.000 Personen beziffert. Sie liegt damit deutlich unter der Nettozu- wanderung des Jahres 2016 (-17 Prozent) ist aber im langjährigen Rückblick eher als hoch einzuschätzen. Gegenüber dem Jahr 2015, das durch eine einmalig sehr hohe Flüchtlingszuwanderung geprägt war, hat sich die Nettozuwanderung 2017 mehr als halbiert. Nach ersten groben Berechnungen für 2018 geht das Statistische Bundesamt von einem weiteren leich- ten Absinken des Zuwanderungssaldos auf nur noch 400.000 Personen aus. Für das laufende Jahr 2019 wird sich dieser Trend fortsetzen. Mittel- bis lang- fristig droht die Nettozuwanderung in Deutschland auf ein Niveau abzusinken, welches das natürliche Geburtendefizit nicht mehr ausgleichen kann. Wachstumsimpulse kamen 2018 vor allem aus dem Inland Positive Wachstumsimpulse kamen 2018 vor allem vom Konsum und den Investitionen: Sowohl die privaten als auch die staatlichen Konsumausgaben waren höher als im Vorjahr. Die Zuwächse fielen mit +1,0 Prozent beziehungsweise +1,1 Prozent aber deutlich niedriger aus als in den letzten drei Jahren. Die gewerbliche Wirtschaft zögert offensichtlich trotz der weiterhin guten wirtschaftlichen Entwick- lung, auch in Betriebsgebäude zu investieren. Mit einerWachstumsrate von nur 0,5 Prozent stagnierte der gewerbliche Bau quasi auf Vorjahresniveau. In den Neubau und die Modernisierung der Woh- nungsbestände flossen 2018 rund 215Milliarden EUR. Das günstige Zinsumfeld, die sehr vorteilhafte Ar- beitsmarktentwicklung und die mittlerweile auch recht ordentlichen Lohnabschlüssewerden die Nach- frage nachWohnimmobilien auch 2019 hochhalten. Die hohe Nettozuwanderung steigert die Nachfrage nach Wohnraum zusätzlich deutlich. Gepaart mit Umzügen innerhalb Deutschlands ist vor allem die Wohnraumnachfrage in den Städten anhaltend hoch. Hinzu kommen kräftige Impulse von Seiten des Staats, wie das neu eingeführte Baukindergeld und Sonderabschreibungen für den Mietwohnungsbau. Angesichts der florierenden Geschäfte gerät die Aus- lastung der Bauwirtschaft zunehmend an Grenzen. Im vierten Quartal 2018 lag die Kapazitätsauslastung im Baugewerbe unverändert hoch bei 81 Prozent. Im Ausbaugewerbe erreichte die Auslastungmit 82 Pro- zent dabei noch etwas höhere Werte als im Bau- hauptgewerbe (81 Prozent). Selbst in dem durch die Wiedervereinigung ausgelösten Bauboom in den neunziger Jahren war die Auslastung im Bauhaupt- gewerbe in der Spitze mit rund 70 Prozent deutlich geringer. Die hohe Kapazitätsauslastung im Bauge- werbe hat bereits zu einem deutlichen Preisauftrieb geführt. Die Preise für den Neubau von Wohnge- bäuden in Deutschland lagen imNovember 2018 um 4,8 Prozent über dem Vorjahresniveau. Dies ist der stärkste Anstieg der Baupreise seit über zehn Jahren. Der Preisauftrieb bei den Baupreisen wird die Nach- frage nach Bauleistungen etwas bremsen. Dennoch dürften die Wohnungsbauinvestitionen auch 2019 Motor der Bauwirtschaft bleiben.Nach Schätzung der Institute dürften sie um rund 4 Prozent steigen. Der Zuwachs bei den Bauinvestitionen insgesamt wird dagegen die 3-Prozentmarke kaum überschreiten. 5) DIW (2018): Bauwirtschaft: Ende des Neubaubooms. DIW-Wochenbericht Nr. 1+2.2018. Berlin. 4) IAB (2018): Aufschwung bleibt, verliert aber an Tempo IAB-Kurzbericht 21/2018. Nürnberg 5) IAB (2015): Zuwanderungsbedarf aus Drittstaaten in Deutschland bis 2050 Bertelsmann-Stiftung. Gütersloh

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