WWS Geschäftsbericht 2017
Abschwächung der Zuwächse beimWohnungs- neubau – Verlagerung der Investitionsdynamik in die Bestandserhaltung Die Bauinvestitionen insgesamt stiegen im Jahr 2017 um 2,6 Prozent und erreichten damit fast dieWachs- tumsrate des Vorjahres (2,7 Prozent). DerWohnungs- bau entwickelte sich wie in den Vorjahren deutlich überdurchschnittlich und stieg um 3,1 Prozent, wäh- rend die Nichtwohnbauten lediglich um 1,8 Prozent zulegten. Der öffentliche Hoch- und Tiefbau ent- wickelte sich dabei wie im Vorjahr dynamischer (2,7 Prozent) als der gewerbliche Bau (1,4 Prozent). Die gewerbliche Wirtschaft zögert offensichtlich, trotz des breiten Aufschwungs auch in Betriebsge- bäude zu investieren. Bei den Kommunen macht sich positiv bemerkbar, dass sich deren Haushalts- lage durch höhere Steuereinnahmen weiter verbes- sert hat. Die Bauinvestitionen erreichten 2017 einen Anteil von knapp 10 Prozent des Bruttoinlandspro- dukts. In den Neubau und die Modernisierung der Woh- nungsbestände flossen 2017 rund 197Milliarden EUR. Angesichts des erheblichen Bauüberhangs bereits genehmigter, aber noch nicht fertig gestellter Wohnungen, gut gefüllter Auftragsbücher der Bau- wirtschaft und weiterhin niedriger Zinsen wird der Aufwärtstrend bei denWohnungsbauinvestitionen noch eine Zeit anhalten. Die hohe Nettozuwande- rung steigert die Nachfrage nach Wohnraum zu- sätzlich deutlich. Wachstumsmotor der Bauwirtschaft war in den letz- ten Jahren der Wohnungsneubau. Auch 2018 und 2019 wird das Neubauvolumen hier weiter zulegen. Allerdings dürfte der Aufwuchs stark an Dynamik verlieren und der Boom der vergangenen Jahre damit ein Ende finden. Nach Jahren der kräftigen Ausweitung von teilweise mehr als 10 Prozent wer- den in den kommenden zwei Jahren deutlich gerin- gere Zuwachsraten zu verzeichnen sein. 27 Lagebericht für das Geschäftsjahr 2017 Vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW), welches in seiner Bauvolumenrechnung auf Basis der Umsatzsteuerstatistik ex-post eine Diffe- renzierung der Bauinvestitionen nach Neubau und Bestandsinvestitionen vornimmt, wird die Auswei- tung der Neubautätigkeit imWohnungsbau für 2018 mit 8 Prozent und weiteren 4 Prozent im Jahr 2019 vorausgeschätzt. 2017 hatte der entsprechende Zu- wachs noch 14 Prozent betragen. 5 Die nachlassende Dynamik beimWohnungsneubau erlaubt in den kommenden Jahren wieder ver- mehrte Sanierungs- und Modernisierungsaktivitä- ten. Dafür spricht auch die weiterhin rege Zahl von Transaktionen auf dem Markt für gebrauchte Im- mobilien, die sich bisher noch nicht in stärkeren Zu- wächsen bei den Bestandsinvestitionen bemerkbar gemacht haben. Deutlich weniger Wohnungsbaugenehmigungen in 2017 – Kaum Zuwachs im Jahr 2018 erwartet Im Jahr 2017 dürften nach letzten Schätzungen Ge- nehmigungen für rund 349.000 neue Wohnungen auf denWeg gebracht worden sein. Dies entspricht einem Rückgang um 7 Prozent gegenüber demVor- jahr. 2016 hatten die Baugenehmigungen dagegen fast um ein Fünftel zugelegt. 2015 waren sie um knapp 10 Prozent gestiegen. Der deutliche Rückgang im Jahr 2017 markiert zwar noch keinen Abschwung beimWohnungsneubau, da Sondereffekte für den Rückgang verantwortlich waren, deutet aber den- noch ein Ende des Neubaubooms an. EinTeil der rückläufigen Baugenehmigungen im Jahr 2017 ist auf Vorzieheffekte zurückzuführen, die im Jahr 2016 zu einer sehr starken Steigerung der Bau- genehmigungen geführt hatten. Die betroffenen Bauherren wollten sich durch eine vorgezogene Ge- nehmigung der Vorhaben eine Durchführung nach dem alten Standard der Energieeinsparverordnung (EnEV) sichern. Dazu war ein vorgezogener Bauan- trag bis Ende Dezember 2015 ausreichend. Die Bauge- nehmigung hingegen wurde oft erst einige Monate später erteilt und in der Statistik erfasst. Seit Anfang 2016 gilt die verschärfte EnEV, die ein deutliches Plus an Bauwerkskosten von 7 Prozent verursacht. 6 5) DIW (2018): Bauwirtschaft: Ende des Neubaubooms. DIW-Wochenbericht Nr. 1+2.2018. Berlin. 6) ARGE//eV und InWIS (2016): Instrumentenkasten für wichtige Handlungsfelder der Wohnungs- politik. Bochum.
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