WWS Geschäftsbericht 2020
bildlich sehr kräftig an. Wenn im Laufe des Jahres 2021 die Schutzmaßnahmen Schritt für Schritt zu- rückgefahren werden können, wird sich der private Verbrauch nach Einschätzung der Institute sehr dynamisch erholen. Dabei dürfte im weiteren Ver- lauf ein Teil der unfreiwillig während der Pandemie gebildeten Ersparnisse zusätzlich ausgegeben und Konsum nachgeholt werden. Mit einem Plus von 3,6 Prozent dürfte der private Verbrauch wieder deut- lich positiv zur Erholung der Wirtschaft beitragen. Sobald die Wirtschaft wieder auf einen Erholungs- pfad einschwenkt, die Auslandsnachfrage steigt sowie die Unterauslastung sinkt, sollten mit gewis- ser zeitlicher Verzögerung auch die Unternehmens- investitionen wieder an Schwung gewinnen. Bis Ende 2022 erwarten die Institute, dass die gewerb- lichen Investitionen wieder ein Niveau erreicht haben, das einer konjunkturellen Normallage ent- spricht. Bauwirtschaft trotzt der Coronakrise – aber ruhigeres Geschäft als vor der Pandemie Die Bauinvestitionen blieben im Krisenjahr 2020 die entscheidende Stütze der Konjunktur und stiegen abermals um 1,5 Prozent. Allerdings blieb dieses Wachstum hinter der Vorjahresdynamik (+3,8 Pro- zent) zurück. Der Wohnungsbau entwickelte sich wie in den Vorjahren überdurchschnittlich und stieg um 2,1 Prozent, während die Nichtwohnbauten mit einem Zuwachs von 0,5 Prozent kaum noch zulegen konnten. Der öffentliche Hoch- und Tiefbau entwickelte sich 2020 ebenfalls positiv (1,7 Prozent), zeigte aber eine deutlich geringere Wachstumsrate als der Woh- nungsbau. Der Auftragsbestand aus den Zeiten gut gefüllter öffentlicher Kassen befindet sich weiterhin auf komfortablem Niveau und dürfte einem stärke- ren Rückgang der Investitionstätigkeit entgegenste- hen. Zudem werden die Kommunen, die für einen Großteil der öffentlichen Bautätigkeit verantwort- lich sind, durch die Hilfspakete des Bundes finanziell unterstützt. Somit ist für 2021 mit einem Anziehen der öffentlichen Bauinvestitionen zu rechnen. 25 Lagebericht für das Geschäftsjahr 2020 Imgewerblichen Bau schlug sich die Rezession in der Industrie nieder. Im Vergleich zum Vorjahr konnte 2020 das bereits niedrige Investitionsniveau ledig- lich gehalten werden. Die anhaltende Unsicherheit über den weiteren Verlauf der Pandemie und die gesamtwirtschaftliche Erholung dürften den Anreiz reduzieren, langfristige Bauprojekte anzustoßen. In Neubau und Modernisierung der Wohnungs- bestände flossen 2020 rund 236 Milliarden Euro. Anteilig konnte der Wohnungsbau seine Position innerhalb der Bauinvestitionen weiter ausbauen. 2020 flossen 61 Prozent der Investitionen in den Neu- bau und die Modernisierung vonWohnungen. Zehn Jahre zuvor hatte der Anteil bei 56 Prozent gelegen. Die Wohnungsbauinvestitionen erwiesen sich im Verlauf der Pandemie angesichts nur geringer Res- triktionen auf der Angebotsseite und einer nur wenig beeinträchtigten Nachfrage bisher als relativ robust. Trotz der anhaltenden Preissteigerung werden die Wohnungsbauinvestitionen damit auch 2021 Motor der Bauwirtschaft bleiben. Nach Schätzung der In- stitute dürften sie um rund 1,5 Prozent steigen. Der Zuwachs bei den Bauinvestitionen insgesamt wird dagegenmit 1,3 Prozent etwas verhaltener ausfallen. Die Preisentwicklung beim Erwerb vonWohnimmo- bilien hat sich bisher nicht abgeschwächt. Im Nie- drigzinsumfeld und auch vor dem Hintergrund krisenbedingter Zukunftsängste scheinen gerade Wohnimmobilien eine attraktive Anlageform zu blei- ben. Außerdem könnte eine vorübergehende Nach- frageverschiebung hin zu Wohnraum aufgrund pandemiebedingter Verlagerung von beruflichen und privaten Tätigkeiten nach Hause einen gewis- sen zusätzlichen Nachfrageimpuls ausgelöst haben. Zudem könnte der Trend zur Verlagerung der Wohn- raumnachfrage in Gebiete außerhalb der Ballungs- zentren durch die Pandemie Fahrt aufnehmen; dort ließe sich dasWohnraumangebot leichter ausweiten. Wohnungsbaugenehmigungen steigen – letzter Höchststand aus 2016 könnte 2021 übertroffen werden Im Jahr 2020 dürften nach letzten Schätzungen die Genehmigungen für rund 374.000 neue Wohnun- gen auf denWeg gebracht worden sein. Damit wur- den 3,7 Prozent mehr Wohnungen bewilligt als im Jahr zuvor.
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