WWS Geschäftsbericht 2020
24 Lagebericht für das Geschäftsjahr 2020 resvergleich preisbereinigt um 6 Prozent und damit so stark wie noch nie zurück. Besonders stark bra- chen die Konsumausgaben für Beherbergungs- und Gaststättendienstleistungen sowie für Freizeit-, Unterhaltungs- und Kulturdienstleistungen ein. Im Gegensatz zu den privaten Konsumausgaben wirkten die Konsumausgaben des Staates mit einem preisbereinigten Anstieg von 3,4 Prozent in der Corona-Krise stabilisierend, wozu unter ande- rem die Beschaffung von Schutzausrüstungen und Krankenhausleistungen beitrug. Damit stiegen die staatlichen Konsumausgaben stärker als in den drei vorangegangenen Jahren. Insgesamt ging der inländische Verbrauch im Jahr 2020 preisbereinigt um 4,1 Prozent gegenüber 2019 zurück. Die Bruttoanlageinvestitionen verzeichneten preis- bereinigt mit -3,5 Prozent den deutlichsten Rückgang seit der Finanz- und Wirtschaftskrise 2008/2009. Dabei legten die Bauinvestitionen entgegen diesem Trend um 1,5 Prozent zu. In Ausrüstungen – das sind vor allem Investitionen in Maschinen und Geräte sowie Fahrzeuge – wurden im Jahr 2020 dagegen preisbereinigt 12,5 Prozent weniger investiert als im Vorjahr. Die Corona-Pandemie wirkte sich auch auf den Au- ßenhandel massiv aus: Die Exporte und Importe von Waren und Dienstleistungen gingen im Jahr 2020 erstmals seit 2009 zurück, die Exporte preisberei- nigt um 9,9 Prozent, die Importe um 8,6 Prozent. Besonders groß war der Rückgang der Dienstleis- tungsimporte, was vor allem am hohen Anteil des stark rückläufigen Reiseverkehrs lag. Das Handelsvolumen der deutschenWirtschaft mit dem Ausland ist entsprechend gesunken: In nomi- naler Betrachtung lag der Außenbeitrag im Jahr 2020 knapp 12 Milliarden Euro unter demVorjahres- wert. Der negative Außenbeitrag trug damit -1,1 Pro- zentpunkte zum BIP-Rückgang bei. Mit Beginn der Pandemie gingen die Ausgaben der Verbraucher deutlich stärker zurück als ihre verfüg- baren Einkommen, und die Sparquote stieg spiegel- Die Zahl der Arbeitslosen, nach Definition der Bun- desagentur für Arbeit, stieg im Jahresdurchschnitt 2020 um 19,6 Prozent auf einen Wert von 2,7 Millio- nen Arbeitssuchende. Noch im Jahr zuvor war die Arbeitslosenzahl um 3,1 Prozent gesunken. Die Ar- beitslosenquote stieg von 5 Prozent auf 5,8 Prozent. Demografisch bedingt nimmt das Erwerbsperso- nenpotenzial in Deutschland bereits seit längerem ab. Der Trend einer alternden Bevölkerung bedingt, dass sich mehr Personen in den Ruhestand zurück- ziehen als neu in das Erwerbsleben eintreten. Nach Berechnungen des Institutes für Arbeitsmarkt und Berufsforschung (IAB) in Nürnberg schrumpfte das Erwerbspersonenpotenzial – die Alterung der Be- völkerung isoliert betrachtet – im Jahr 2020 und im Jahr 2021 jeweils um 330.000 Arbeitskräfte. 1 Damit das Arbeitskräfteangebot in Deutschland auch in Zukunft nicht nennenswert schrumpft, müsste die Nettozuwanderung nach Modellrech- nungen des IAB bis 2050 in einer Spanne von 346.000 Personen (bei extrem steigenden Erwerbs- quoten) bis 533.000 Personen (bei realistisch stei- genden Erwerbsquoten) pro Jahr liegen. 2 Im Jahr 2020 ist die Nettozuwanderung nach Deutschland erstmals seit langen so stark gesunken, dass weder der natürliche Bevölkerungsrückgang noch das schrumpfende Erwerbspersonenpotenzial ausgeglichen werden konnte. Nach ersten groben Berechnungen für 2020 geht das Statistische Bun- desamt von einem Rückgang des Zuwanderungs- saldos auf 180.000 bis 240.000 Personen aus. Für das laufende Jahr 2021 wird sich dieser Trend voraus- sichtlich weiter fortsetzen. In beiden Jahren dürften sich insbesondere Reisebeschränkungen durch die Corona-Pandemie und wirtschaftliche Folgen ein- dämmend auf die Wanderung auswirken. Damit dürfte die Bevölkerungszahl Deutschlands auch 2021 wie bereits im Jahr 2020 leicht abnehmen. Nachfrage ging massiv zurück, nur Zuwächse bei staatlichen Konsumausgaben und Bauinvestitionen Auch auf der Nachfrageseite waren die Auswirkun- gen der Corona-Pandemie deutlich sichtbar. Anders als während der Finanz- undWirtschaftskrise, als der gesamte Konsum die Wirtschaft stützte, gingen die privaten Konsumausgaben im Jahr 2020 im Vorjah- 1) IAB (2020): Arbeitsmarkt auf schwierigem Erholungskurs, IAB-Kurzbericht 19|2020, Nürnberg. 2) IAB (2015): Zuwanderungsbedarf aus Drittstaaten in Deutschland bis 2050 Bertelsmann-Stiftung, Gütersloh
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