WWS Geschäftsbericht 2020
seit sieben Jahren dürfte vor allem auf Umsatzrück- gänge imBereich der Gewerbevermietung und beim Handel mit Immobilien zurück zu führen sein. Bei der Wohnungsvermietung sind bisher coronabe- dingt keine signifikanten Mietrückstände oder gar ein Rückgang der Wohnungsnachfrage feststellbar. Für gewöhnlich erreicht die Wachstumsrate der Grundstücks- und Wohnungswirtschaft nur mode- rateWerte und ist zudem nur geringen Schwankun- gen unterworfen. Trotz des leichten Wertschöp- fungsrückgangs beweisen die Immobiliendienst- leister auch im Krisenjahr 2020 ihre stabilisierende Funktion für die Gesamtwirtschaft. Nominal erzielte die Grundstücks- und Immobilienwirtschaft 2020 eine Bruttowertschöpfung von 335 Milliarden Euro. Eine höhere Wirtschaftsleistung als im Jahr zuvor konnte 2020 allein die Bauwirtschaft verbuchen: Trotz aller Einschränkungen nahm die Bruttowert- schöpfung im Vorjahresvergleich um 1,4 Prozent zu. Insbesondere der Wohnungsbau und der öffent- liche Bau expandierten weiter deutlich. Aufwärtstrend am Arbeitsmarkt nach 14 Jahren Zuwachs vorerst beendet Der plötzliche und gravierende Einbruch der Wirt- schaftsleistung setzte den Arbeitsmarkt massiv unter Druck. So wurde die Wirtschaftsleistung in Deutschland im Jahr 2020 nur noch von durch- schnittlich 44,8 Millionen Erwerbstätigen erbracht. Das waren 477.000 Personen oder 1,1 Prozent weni- ger als 2019. Damit endete aufgrund der Corona- Pandemie der über 14 Jahre anhaltende Anstieg der Erwerbstätigkeit, der sogar die Finanz- und Wirt- schaftskrise 2008/2009 überdauert hatte. Beson- ders betroffen waren geringfügig Beschäftigte sowie Selbstständige, während die Zahl der sozial- versicherungspflichtig Beschäftigten stabil blieb. Vor allem die erweiterten Regelungen zur Kurz- arbeit dürften hier Entlassungen verhindert haben. Allerdings war es im Produzierenden Gewerbe im Gegensatz zu den anderen Wirtschaftsbereichen in Deutschland bereits im Jahr 2019 zu signifikanten Produktionseinbußen gekommen (-3,6 Prozent). Besonders deutlich zeigte sich der konjunkturelle Einbruch in den Dienstleistungsbereichen, die zum Teil so starke Rückgänge wie noch nie verzeichneten. Exemplarisch hierfür steht der zusammengefasste Wirtschaftsbereich Handel, Verkehr und Gastge- werbe, dessen Wirtschaftsleistung um 6,3 Prozent niedriger war als 2019. Dabei gab es durchaus ge- genläufige Entwicklungen: Der Onlinehandel nahm deutlich zu, während der stationäre Handel zumTeil tief im Minus war. Ein äußerst niedriges Fahrgast- aufkommen im Verkehr und die starken Einschrän- kungen in der Beherbergung und der Gastronomie führten in diesen Bereichen ebenfalls zu historischen Rückgängen. Ähnlich sah es im Bereich der Unternehmensdienst- leister aus, zu dem beispielsweise die Autovermie- tung, die Arbeitnehmerüberlassung, die Reisebüros und -veranstalter sowie die Messe-, Ausstellungs- und Kongressveranstalter gehören. Einreisebeschrän- kungen und Reisewarnungen, abgesagteMessen und die geringe Nachfrage nach Leiharbeitnehmern und im Mietwagengeschäft führten dazu, dass sich die Bruttowertschöpfung imJahr 2020 überdurchschnitt- lich stark verringerte, und zwar um 7,9 Prozent. Bei den sonstigen Dienstleistern, zu denen neben Sport und Unterhaltung auch die Kreativwirtschaft zählt, schlugen sich die Auswirkungen der Pandemie und deren Bekämpfung besonders heftig nieder. Da imVerlauf des Jahres Kultur-, Sport- und Freizeitein- richtungen nur sehr eingeschränkt oder gar nicht betrieben werden durften und zahlreiche Veranstal- tungen abgesagt werden mussten, sank die preis- bereinigte Bruttowertschöpfung im Vergleich zum Vorjahr um 11,3 Prozent. Die Grundstücks- und Wohnungswirtschaft, die im Jahr 2020 rund 11,1 Prozent der gesamten Brutto- wertschöpfung erzeugte, musste leichte Einbußen hinnehmen und verlor imVorjahresvergleich 0,5 Pro- zent ihrer Wirtschaftsleistung. 2019 war sie noch um 1 Prozent gewachsen. Der erste reale Rückgang der Wirtschaftsleistung in der Immobilienwirtschaft 23 Lagebericht für das Geschäftsjahr 2020
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