WWS Geschäftsbericht 2019
24 Lagebericht für das Geschäftsjahr 2019 In den Neubau und die Modernisierung der Woh- nungsbestände flossen 2019 rund 228 Milliar- den EUR. Die gute Entwicklung der Einkommen, die auch durch finanzpolitische Entlastungen wie etwa die Rückkehr zur paritätischen Krankenkassen- finanzierung unterstützt wurde, und die weiterhin historisch niedrigen Zinsen für Baugeld werden die Nachfrage nach Wohnimmobilien auch 2020 an- heizen. Die hohe Nettozuwanderung stützt die Nachfrage nachWohnraum weiterhin. Gepaart mit Umzügen innerhalb Deutschlands ist vor allem die Wohn- raumnachfrage in den Städten anhaltend hoch. Hinzu kommen kräftige Impulse von Seiten des Staats, wie das neu eingeführte Baukindergeld und Sonderabschreibungen für den Mietwohnungsbau. Im vierten Quartal 2019 ist die Kapazitätsauslastung im Baugewerbe etwas gesunken. Sie liegt aktuell bei 77 Prozent – drei Prozentpunkte niedriger als im Vorjahresquartal. Hier scheint sich ein allmählicher Kapazitätsaufbau auszuwirken. Im Bauhauptge- werbe hat sich der Auslastungsgrad noch stärker auf knapp 76 Prozent verringert, im Ausbaugewerbe liegt er dagegen bei 80 Prozent. Allerdings bleibt der Auslastungsgrad in der historischen Rückschau auf hohem Niveau: Selbst in dem durch dieWieder- vereinigung ausgelösten Bauboom in den neunzi- ger Jahren war die Auslastung imBauhauptgewerbe in der Spitze mit rund 70 Prozent deutlich geringer. Die hohe Kapazitätsauslastung eröffnet den Unter- nehmen des Baugewerbes erhebliche Preisset- zungsspielräume – gleichzeitig steigen die Löhne. Die Preise für den Neubau von Wohngebäuden in Deutschland erreichten im Februar 2019 mit einem Anstieg von 4,8 Prozent gegenüber dem Vorjahres- niveau den höchsten Zuwachs seit über zehn Jahren. Zum Jahresende hat sich der Auftrieb bei denWoh- nungsbaupreisen etwas beruhigt, lag aber mit einer Rate von 3,8 Prozent noch auf sehr hohem Niveau. 25 Lagebericht für das Geschäftsjahr 2019 gesamten Wachstumsrate des Bruttoinlandspro- duktes von 0,6 Prozent summieren – ergeben für 2019 das folgende Bild: Der Konsum insgesamt war mit einemWachstumsbeitrag von gut 1,3 Prozent- punkten die treibende Kraft der deutschen Wirt- schaft. Die privaten Konsumausgaben hatten dabei mit 0,8 Prozentpunkten einen etwas größeren An- teil als die Konsumausgaben des Staates mit 0,5 Pro- zentpunkten. Der Wachstumsbeitrag der Brutto- anlageinvestitionen lag bei gut 0,5 Prozentpunkten, während die negativen Vorratsveränderungen in die entgegengesetzte Richtung wirkten und das BIP- Wachstum um -0,9 Prozentpunkte bremsten. Die Exporte trugen gut 0,4 Prozentpunkte bei, während die Importe das BIP-Wachstum rechnerisch mit knapp -0,8 Prozentpunkten schmälerten. Weiterhin gute Stimmung imWohnungsbau – Kapazitätsengpässe führen zu deutlichen Preissteigerungen Die Bauinvestitionen insgesamt stiegen im Jahr 2019 um 3,8 Prozent und übertrafen damit deutlich die Wachstumsrate des Vorjahres (2,5 Prozent). DerWoh- nungsbau entwickelte sich wie in den Vorjahren überdurchschnittlich und stieg um4,0 Prozent,wäh- rend die Nichtwohnbauten um 3,5 Prozent zulegten. Der öffentliche Hoch- und Tiefbau entwickelte sich dabei deutlich dynamischer als im Vorjahr (5,1 Pro- zent). Viele Gemeinden verfügen mittlerweile über die notwendigen „freien Spitzen“, um neue Investi- tionsprojekte anzustrengen, zumindest aber den Eigenanteil für die nach wie vor verfügbaren Mittel aus dem Kommunalinvestitionsförderungsfonds abzurufen. Imgewerblichen Baumachte sich die konjunkturelle Schwäche der Industrie bemerkbar. Insgesamt ex- pandierte der gewerbliche Bau nur mit einer Rate von 2,8 Prozent. Impulse kamen hier vor allem vom gewerblichen Tiefbau, der durch den Breitbandaus- bau sowie Investitionsprojekte der deutschen Bahn angefeuert wurde. Die Binnennachfrage treibt die Konjunktur Gestützt wurde dasWachstum im Jahr 2019 auf der Verwendungsseite vor allem vom Konsum: Die privaten Konsumausgaben waren preisbereinigt um 1,6 Prozent höher als im Vorjahr, die Konsumaus- gaben des Staates stiegen um 2,5 Prozent. Die Zu- wächse der privaten und der staatlichen Konsum- ausgaben fielen damit stärker aus als in den beiden Jahren zuvor. Auch in Bauten wurde deutlich mehr investiert: Die Bauinvestitionen stiegen 2019 imVergleich zum Vorjahr um 3,8 Prozent. Besonders stark war der An- stieg bei Tiefbauten (+4,8 Prozent) und Wohnbau- ten (+4,0 Prozent). Die sonstigen Anlagen, zu denen unter anderem die Investitionen in Forschung und Entwicklung gehören, lagenmit 2,7 Prozent ebenfalls weit über dem Vorjahresniveau. Die Ausrüstungs- investitionen – darunter fallen hauptsächlich Inves- titionen in Maschinen und Geräte sowie Fahrzeuge – entwickelten sich dagegen weniger dynamisch und stiegen nur um0,4 Prozent. Die schwache Industrie- produktion hatten einen deutlichen Abbau der Vor- räte und Lager zur Folge, so dass die Bruttoanlage- investitionen in Ihrer Summe um 1,7 Prozent zurück- gingen. In einem weiterhin schwierigen weltwirtschaft- lichen Umfeldmit Handelsstreitigkeiten, Sanktionen und Strafzöllen sowie den Unsicherheiten rund um die Brexit-Verhandlungen konnte die deutsche Außenwirtschaft nur wenig zulegen. Die Exporte stiegen preisbereinigt um 0,9 Prozent. Die Importe nahmen imgleichen Zeitraummit 1,9 Prozent etwas stärker zu. Die Wachstumsbeiträge der Verwen- dungsaggregate – vereinfacht ausgedrückt sind das gewichtete Veränderungsraten, die sich zur Wohnungsbaugenehmigungen verbleiben auf hohem Niveau Im Jahr 2019 dürften nach letzten Schätzungen die Genehmigungen für rund 351.000 neueWohnungen auf den Weg gebracht worden sein. Damit lag die Genehmigungstätigkeit 1,3 Prozent über dem Vor- jahreswert. In den vorangegangenen beiden Jahren war die Bautätigkeit dagegen leicht gesunken. Im längeren Zeitvergleich liegt die Zahl neu genehmig- ter Wohnungen damit weiter auf einem hohen Niveau. Mehr genehmigte Wohnungen als im Jahr 2019 gab es seit der Jahrtausendwende nur im Jahr 2016 mit über 375.000 genehmigten Wohnungen. Seit einem Tiefstand im Jahr 2009 haben sich die jährlichen Baugenehmigungen von etwa 178.000 auf fast 351.000 im Jahr 2019 nahezu verdoppelt. Der Neubau von Mietwohnungen im Geschoss- wohnungsbau zeigte 2019 erneut eine positivere Tendenz als der Gesamttrend. Mit rund 100.000 neu genehmigten Mietwohnungen wurden 3,3 Prozent mehr Mietwohnungen auf denWeg gebracht als im Jahr zuvor. Die Zahl neu genehmigter Eigentums- wohnungen inMehrfamilienhäusern brach dagegen etwas ein (- 1,6 Prozent). Das Genehmigungsvolu- men im Geschosswohnungsbau insgesamt stieg lediglich um 2.000 Einheiten auf 182.000 Wohnun- gen.Weiterhinwurden 2019wie in den sieben Jahren zuvor mehrWohnungen imGeschosswohnungsbau als neu genehmigte Ein- und Zweifamilienhäusern auf denWeg gebracht. Die Genehmigungen bei Ein- und Zweifamilienhäusern waren 2019 aber erstmals seit zwei Jahren wieder leicht steigend und erreich- ten rund 112.000Wohneinheiten (+1,2 Prozent).
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