WWS Geschäftsbericht 2019

um 1,6 Prozent. Wie schon in den Vorjahren über- wogen eine höhere Erwerbsbeteiligung sowie die Zuwanderung von Arbeitskräften aus dem Ausland altersbedingte demografische Effekte. Der unverändert wirkende langfristige Trend einer alternden Bevölkerung reduziert das Erwerbsperso- nenpotenzial nach Berechnungen des Institutes für Arbeitsmarkt und Berufsforschung (IAB) in Nürnberg – isoliert betrachtet – im Jahr 2019 um 330.000 und im Jahr 2020 um 340.000 Arbeits- kräfte. 1 Damit das Erwerbspersonenpotenzial auch in Zukunft nicht schrumpft, müsste die Nettozu- wanderung nach Modellrechnungen des IAB bis 2050 in einer Spanne von 346.000 Personen (bei ex- trem steigenden Erwerbsquoten) bis 533.000 Per- sonen (bei realistisch steigenden Erwerbsquoten) liegen. 2 Das kontinuierliche Wirtschaftswachstum und der anhaltend günstige Trend der Arbeitsmarktent- wicklung haben Deutschland in den Jahren seit 2010 zu einem Hauptwanderungsziel der EU-Bin- nenmigration werden lassen. Die Nettozuwande- rung im Jahr 2018 (Ausländer und Deutsche) lag bei knapp 400.000 Personen. Im Mittel der Jahre 2010 bis 2018 waren im Saldo sogar fast 468.000 pro Jahr nach Deutschland zugewandert. Nach ersten groben Berechnungen für 2019 geht das Statistische Bundesamt von einem Rückgang des Zuwanderungssaldos auf 300.000 bis 350.000 Personen aus. Für das laufende Jahr 2020 wird sich dieser Trend voraussichtlich weiter fortsetzen. Damit droht die Nettozuwanderung in Deutschland auf ein Niveau abzusinken, welches das natürliche Geburtendefizit nicht mehr ausgleichen kann. wickelten sich daneben auch die Bereiche Informa- tion und Kommunikation sowie Finanz- und Ver- sicherungsdienstleister mit jeweils +2,9 Prozent, gefolgt vom Bereich Handel, Verkehr und Gastge- werbe mit +2,4 Prozent. Im Gegensatz dazu gab es in weiten Teilen der In- dustrie starke Rückgänge:DieWirtschaftsleistung im Produzierenden Gewerbe ohne Bau, das gut einVier- tel der Gesamtwirtschaft ausmacht, ging um3,6 Pro- zent zurück. Insbesondere die schwache Produktion in der Automobilindustrie, welche zusammen mit den Zulieferbranchen einer der größten Teilbereiche der Industrie ist, trug zu diesem Rückgang bei. Die Grundstücks- und Wohnungswirtschaft, die im Jahr 2019 rund 10,6 Prozent der gesamten Brutto- wertschöpfung erzeugte, konnte ihre Bruttowert- schöpfung deutlich um 1,4 Prozent erhöhen. 2018 war sie lediglich um 1,1 Prozent gewachsen. Für ge- wöhnlich liegt dieWachstumsrate der Grundstücks- undWohnungswirtschaft leicht unter dem langjäh- rigen Durchschnitt und ist nur geringen Schwankun- gen unterworfen. Dies unterstreicht die tendenziell geringere Konjunkturabhängigkeit der Immobilien- dienstleister. So hatte die Branche beispielsweise im Krisenjahr 2009 als einer der wenigen Wirt- schaftsbereiche ein positives Wachstum aufzuwei- sen. Nominal erzielte die Grundstücks- und Immo- bilienwirtschaft 2019 eine Bruttowertschöpfung von 327 Milliarden EUR. Der deutsche Arbeitsmarkt zeigte sich 2019 sehr robust – trotz gebremster Konjunktur Die Wirtschaftsleistung in Deutschland wurde im Jahresdurchschnitt 2019 erstmals von mehr als 45 Millionen Erwerbstätigen mit Arbeitsort in Deutschland erbracht. Nach vorläufigen Berech- nungen waren es 45,3 Millionen und damit rund 400.000 Personen mehr als 2018. Dieser Anstieg von 0,9 Prozent beruht vor allem auf einer Zunahme der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung 23 Lagebericht für das Geschäftsjahr 2019 1. Geschäftsverlauf und Rahmenbedingungen Die gesamtwirtschaftliche Lage in Deutschland 2019 Die deutscheWirtschaft ist 2019 im zehnten Jahr in Folge gewachsen und verzeichnet damit die längste Wachstumsperiode im vereinten Deutschland. Aller- dings hat das Wachstum 2019 deutlich an Schwung verloren. Zur Jahresmitte ist die deutscheWirtschaft nur knapp an einer rechnerischen Rezession vorbei geschrammt. Das Bruttoinlandsprodukt drohte zwei Quartale in Folge zu sinken. ImMittel des Jahres lag das preisbereinigte Bruttoinlandsprodukt nach ers- ten Berechnungen des Statistischen Bundesamtes um 0,6 Prozent höher als im Vorjahr. In den beiden vorangegangenen Jahren war das Bruttoinlands- produkt stärker gestiegen, 2017 um 2,5 Prozent und 2018 um 1,5 Prozent. Auch verglichenmit demDurch- schnittswert der Jahre 2008 bis 2018 von +1,3 Pro- zent ist die deutsche Wirtschaft 2019 schwächer gewachsen. Im Kern zeigt sich die deutsche Konjunktur aktuell deutlich geteilt: Die Bauwirtschaft befindet sich nach wie vor in einer Boomphase und expandiert kräftig. Solides Wachstum verzeichnen auch die konsumnahen Dienstleistungen. Dagegen befin- den sich nahezu alle Bereiche der Industrie in einer Rezession. Die Schwäche des verarbeitenden Ge- werbes setzt auch die unternehmensnahen Dienst- leistungen unter Druck. Das weltwirtschaftliche Umfeld der deutschen Wirtschaft hat sich seit 2018 deutlich eingetrübt. Gebremst durch Handelskonflikte und politische Unsicherheiten wuchs dieWeltwirtschaft 2019 mit nur wenig Schwung. Insgesamt expandierte das globale Bruttoinlandsprodukt nach vorläufigen Zahlen um 3,6 Prozent, insbesondere die fortge- schrittenenVolkswirtschaften hatten in der Summe ein niedriges Wachstum aufzuweisen (1,8 Prozent). Aber auch die Dynamik in den Schwellenländern kühlte sich spürbar ab. Im Euroraumhat sich die flächendeckende Erholung des Jahres 2018 weiter fortgesetzt. Allerdings ist auch hier die Dynamik im Laufe des Jahres 2019 in allen Ländern bis auf Litauen (+3,8 Prozent) deutlich zurückgegangen. Dies hat zur Folge, dass sich der wirtschaftliche Aufholprozess nach der Finanz- und Wirtschaftskrise von 2009 im Euroraum verlängern wird. Insbesondere der Rückgang der Arbeitslosig- keit in Frankreich, Italien und Spanien wird sich verlangsamen. Gemessen an der wirtschaftlichen Dynamik belegt Deutschland mit seiner Wachs- tumsrate von 0,6 Prozent im Jahr 2019 wie im Vor- jahr den vorletzten Platz der Euroländer, vor Italien, dessenWirtschaft nur um 0,1 Prozent zulegte. Grundstücks- undWohnungswirtschaft verzeichnete einen Zuwachs um 1,4 Prozent Auf der Entstehungsseite des Bruttoinlandsprodukts in Deutschland war die wirtschaftliche Entwicklung 2019 zweigeteilt: Auf der einen Seite die Dienstleis- tungsbereiche und das Baugewerbe, die überwie- gend kräftige Zuwächse verzeichneten, auf der ande- ren Seite das Produzierende Gewerbe (ohne Bauge- werbe), dessen Wirtschaftsleistung eingebrochen ist. Insgesamt stieg die preisbereinigte Bruttowert- schöpfung 2019 gegenüber dem Vorjahr dadurch lediglich um 0,5 Prozent. Den stärksten Zuwachs verzeichnete das Bauge- werbe mit einem Plus von 4,0 Prozent, das damit, trotz vielfach beklagten Kapazitätsengpässen und Fachkräftemangel, so stark zulegte wie seit fünf Jahren nicht mehr. Überdurchschnittlich stark ent- Lagebericht für das Geschäftsjahr 2019 22 Lagebericht für das Geschäftsjahr 2014 1) Die Einschätzungen des vorliegenden Lageberichtes fußen auf den Konjunktur- berichten folgender deutscher Wirt- schaftsforschungsinstitute und stellen ein Mittel der dort dargestellten Entwick- lungen dar: DIW (Deutsches Institut für Wirtschafts- forschung, Berlin) HWWI (Hamburgisches Welt-Wirtschafts- Institut) ifo (Institut für Wirtschaftsforschung, München IfW (Institut für Weltwirtschaft, Kiel) IMK (Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung in der Hans-Böckler- Stiftung, Düsseldorf) IWH (Institut für Wirtschaftsforschung, Halle) RWI (Rheinisch-Westfälisches Institut für Wirtschaftsforschung, Essen) In wechselnder Zusammensetzung sind diese Institute auch im Sachverständigen- rat zur Begutachtung der gesamtwirt schaftlichen Entwicklung vertreten. 2) Statistisches Bundesamt (2019): Volkswirtschaftliche Gesamtrechnungen. Erste Jahresergebnisse. Fachserie 18/ Reihe 1.1., Wiesbaden 1) IAB (2019): Konjunktureller Gegenwind für den Arbeitsmarkt, IAB Kurzbericht 18|2019. Nürnberg 2) IAB (2015): Zuwanderungsbedarf aus Drittstaaten in Deutschland bis 2050 Bertelsmann-Stiftung. Gütersloh

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